
Schüler der 8. Klasse lernen Kleinode des Barock kennen

Bei einem zweistündigen Spaziergang durch Vilshofen unter der Leitung ihre
Geschichtslehrers Herrn Hörmann erfuhren die Knaben der achten Jahrgangs-
stufe viel Wissenswertes über die Geschichte der Stadt und die vorhandenen
Sehenswürdigkeiten des Barock aus dem 17. Jahrhundert; dazu gehören z.B.
der Stadtturm, die Stadtpfarrkirche und die Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ neben
dem Friedhof, die der Reihe nach von allen mit großem Interesse betrachtet
wurden.
Folgende Bemerkungen konnten die Schüler dabei zum großen Teil in Erfahrung bringen:
Im 16. Jahrhundert gelang es Vilshofen, einen Teil des wichtigen Salzhandels
nach Böhmen zu erlangen, wozu die Schifffahrt auf der Donau von Nutzen war.
Mit diesem Handel erwuchsen ihr neue Berufe durch die Rückfracht der Säumer,
z. B. bei Getreide- oder Salzlieferungen, bei der Einkehr in Wirtshäusern, wobei auch die Entwicklung von Bräuhäusern eine Rolle spielte. Die Zunft der Fischer festigte die Erwerbstätigkeit bei den Bürgern, Ausdruck hat sie im „Fischerpeterl“
gefunden.
Auf dieser wirtschaftlichen Grundlage konnte Vilshofen sein Gewicht in Verwal-
tung, Wirtschaft, Kirche und Kultur behaupten. Dazu war die Stadt im 30-jährigen
Krieg von direkten kriegerischen Ereignissen verschont geblieben; einzig die
Pest (1634/35) hatte Verluste gebracht.
Dennoch gelang es mitten im Krieg (1643-1647) den Stadtturm zu errichten. Der
Plan stammte von dem „welschen“ (italienischen) Baumeister Bartholomäus
Viscardi, der die Befestigung der Stadt im besonders gefährdeten Westzugang
damit abschloss.
Vilshofen hatte in der Barockzeit ein reich entwickeltes religiöses Leben, dessen
Voraussetzung schon zwei Jahrhunderte zuvor von dem Ritter Heinrich Tuschl
von Söldenau mit dem Aufbau eines Kollegiatsstifts und später eines Klosters begründet worden war.
Es wurde 1803 infolge der Säkularisierung aufgehoben. Darunter litt auch die Pfarrkirche, die spätgotische Elemente aufwies. Diese erhielt daher von anderen Klöstern und Kirchen Einrichtungsteile, wie z. B: die Orgel aus Aldersbach, den
Hochaltar aus Passau, sowie die Kanzel und Nebenaltäre. Berühmt sind die
Gemälde der Seitenaltäre (Carlone) und das Taufbecken. Das alles erklärt die
Eigentümlichkeiten der barocken Kirchenausstattung und ihren darauf Bezug
nehmenden Charakter.
Einen hohen künstlerischen Wert hat die kleine Wallfahrtskirche „Maria Hilf“ (1693)
am Vilshofener Friedhof. Das Gnadenbild ist eine Kopie nach dem Gemälde vom
Ursprungsort dieser Marienwallfahrt, von der Passauer Maria-Hilf-Madonna
(Lukas Cranach); 1691-94 schufen italienische Künstler den kunsthistorisch be-
deutsamen Zentralbau; es waren der Architekt J. Riva, die Maler J. Carlone und
J. Mazza, der Stukkateur J. Camuzzi, für den Hochaltar A. Solari. Die pracht-
vollen Fresken und die vielen (80) Votivtbilder machen das Kirchlein zu einem
gern besuchten Betraum.
Der Rückmarsch zum Unterricht auf den Schweiklberg verlief schleppend. Gerne
hätten wohl die Knaben noch mehr Zeit bei den barocken Kunstwerken verbingen
wollen.
Hörmann Stefan