Einblicke in das Leben eines Neonaziaussteigers
Er war ein gefürchteter Schläger im sächsischen Torgau, Gründer des Bundes "Arischer Kämpfer" und militanter Neonazi: Manuel Bauer ist ein so genannter „Aussteiger“ aus der rechtsextremen Szene, der sich am vergangenen Freitag den Fragen der Realschüler in Schweiklberg stellte.
Bauer war nicht einfach nur Mitglied der rechtsextremen Szene, er hat Karriere gemacht. Mit 14 nahm er an Ferienlagern der HDJ teil, der mittlerweile verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend. Nur zwei Jahre später wurde er dort Junggruppenführer, später dann Kameradschaftsführer. Im Alter von 19 hat er im sächsischen Torgau den Bund "Arischer Kämpfer" gegründet, eine Art paramilitärische Organisation. Er war zur Kampfausbildung in Polen und Tschechien.
Ein kleines indisches Mädchen hat er vor den Augen seiner Eltern zu Boden getreten, eine Dönerbude in Brand gesteckt. Gewalt war seine Sprache, deutsche Kolonien und Reinigung von allem nicht-arischen seine Ziele. Und diese Ziele haben ihn gezeichnet, im wahrsten Sinne des Wortes, denn Bauer trägt eine Tätowierung auf dem Handrücken, ein Spinnennetz als Trophäe für verprügelte Türken. Mitleid kannte Bauer nicht. Schließlich kam er ins Gefängnis, nachdem er versucht hatte, einen vermeintlich homosexuellen Geschäftsmann zu töten. Über Monate hatte er zehntausende Euro von ihm erpresst und als nichts mehr zu holen war, verschleppte er den Mann in den Wald, hielt ihm eine Pistole an den Kopf und drückte ab. Nur eine Ladehemmung rettete dem Opfer das Leben, Bauer selbst hätte keine Hemmungen gehabt.
Erst im Gefängnis begann das Umdenken: Er stellte zwei seiner Kameraden wegen Drogenbesitzes zur Rede, die prügelten brutal auf ihn ein. Ausgerechnet zwei Türken waren es, die dem Neonazi in dieser Situation zur Hilfe kamen.
Seit er der rechten Szene den Rücken gekehrt hat und mit Hilfe der Organisation „EXIT“ den Ausstieg aus der rechten Szene geschafft hat, lebt er versteckt in der Bundesrepublik, zieht alle paar Monate um. Sein Leben ist in Gefahr. Das Risiko, von den früheren Kameraden aufgespürt zu werden, nimmt er in Kauf. "Das ist es doch, was die wollen. Dass ich schweige", sagt Bauer.
Während des Vortrages herrschte betretenes Schweigen in der Turnhalle Schweiklberg, in der sich alle Schüler der Klassenstufen 7-10 versammelt hatten. Bauers Geschichte bewegt, erschreckt und rüttelt auf.
Auch die vom kirchlichen Jugendbüro Passau organisierte Ausstellung, die die Schüler unter Führung von Franz Wasmeier besichtigen, trägt dazu bei, dem „rechten Wahnsinn“ das Deckmäntelchen der kreuzbraven und gesetzestreuen Bürger zu entreißen und die Mechanismen zu enttarnen, die die rechte Szene nutzt, um speziell Jugendliche in ihren Bann zu ziehen. So werden beispielsweise Musiker, die von vielen Schülern bis dato als harmlos und „cool“ eingestuft worden waren, als Sympathisanten der Neonaziszene enttarnt. So soll den Schülern klar gemacht werden, dass die Freiheit jedes Einzelnen endet, wo die anderer Menschen bedroht ist. Dieses Gut zu wahren ist nicht nur Aufgabe von Politik und Polizei, sondern von jedem einzelnen Mitglied einer demokratischen Gesellschaft – auch der Jugendlichen.
Dr. Tatjana Lau